„Urcharge“ macht E-Mobilität zukunftsfit

Das Forschungsprojekt „Urcharge“ klärt grundlegende Fragen zur Mobilität der Zukunft. Basis dafür ist die innovative LINZ AG-Ladelösung „WallBOX CitySolution“. Selbst die Einschränkungen aufgrund des Coronavirus konnten dieses wichtige E-mobile Projekt nicht stoppen.

Selbst die Einschränkungen aufgrund des Coronavirus konnten dieses wichtige E-mobile Projekt nicht stoppen. Der Ausbau der umweltfreundlichen E-Mobilität stellt auf dem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit einen entscheidenden Faktor dar: Will Österreich seine Klimaziele bis 2030 erreichen, so muss etwa bis dahin ein E-Auto-Anteil von rund 27 Prozent unter allen angemeldeten Pkw erreicht werden. Doch welche Infrastruktur ist beispielweise in Linz nötig, um dieses Ziel erreichen zu können? Wird das Stromnetz dieser Mehrbelastung standhalten? Laden tatsächlich alle gleichzeitig? Und wie kann der Leistungsbedarf optimiert werden?

Diese grundlegenden Fragen werden im Forschungsprojekt „Urcharge“, also „Urbanes Laden“, das von der Technischen Universität Wien geleitet wird und von der LINZ AG initiiert wurde, geklärt. Gemeinsam mit dem Hersteller für E-Mobilitäts-Ladelösungen KEBA AG, ETA (Beratung zum Thema Umweltmanagement) sowie der Linzer Wohnungsgenossenschaft NEUE HEIMAT OÖ werden Forschung, Entwicklung und Tests zur Optimierung von Ladeinfrastruktur im großen Wohnbau durchgeführt.

Das Projekt mit einer 2,5-jährigen Laufzeit von 1. Februar 2019 bis 1. Juni 2021 besticht mit seiner Ganzheitlichkeit und beinhaltet folgende Arbeitspakete:

Das Projektmanagement der TU Wien beinhaltet, nach Begleitung der Förderantragsstellung, die Überwachung des Projektfortschritts und der Zielerreichung, die Koordination der Arbeitspakete, sowie Risikomanagement und die Kommunikation mit der FFG.

Die Forschungsarbeit der TU Wien analysiert in einem Optimierungsmodell Fragestellungen zur Veränderung der Stromnachfrage in Gebäuden durch den wachsenden Anteil an E-Autos und zeigt Herausforderungen auf. Es werden zudem Lastmanagementansätze betrachtet, die die Stromnachfrage der E-Autos verschiebt, um eine Ausweitung der Lastspitzen zu vermeiden. Daraus werden ökonomische sowie ökologische Folgen bewertet.

Der Projektpartner KEBA hat bereits 2019 die Basis für eine Erweiterung seiner Wallbox mit der Lastmanagement-Software gelegt. Die neue Technologie ermöglicht das Lastmanagement über alle Ladestationen in einer großen Wohnanlage. Damit sollen, für bis zu 100 % E-Mobilität, die Lastspitzen durch E-Mobilität minimiert und ein möglichst netzdienlicher Ladeprozess garantiert werden. Die Entwicklungen betreffen auch entsprechendes Management der Datenmengen, erweiterte Funktionen zur Abrechnung und die Identifikation der Nutzer/innen an der Ladestation des eigenen Parkplatzes.

Im Rahmen einer fünfmonatigen Pilotphase von Juni bis Oktober 2020 wird die Ladeinfrastruktur von Bewohner/innen eines großen Wohnbaus der Wohnungsgenossenschaft NEUE HEIMAT OÖ in Linz mit 51 Elektro-Autos getestet. Dies entspricht in dieser Wohnanlage bereits einem E-Auto-Anteil von etwa 50 %. Für die Bewohner/innen der Siedlung in Kleinmünchen ist dies eine spannende Erfahrung: Sie tauschen für diesen Zeitraum ihr Verbrenner-Auto gegen einen vollelektrisch betriebenen Pkw ein, der unter günstigen Konditionen vom Autohaus Sonnleitner zur Verfügung gestellt wird. Dabei handelt es sich um einen der größten und längsten Elektromobilitätsfeldtests in Österreich. Dieser soll grundlegende Fragen zu benötigter Infrastruktur und Ladeverhalten klären, um die E-Mobilität als entscheidenden Umweltschutz-Faktor im städtischen Bereich auch für dicht besiedelte Gebiete alltagsfit zu machen.

Die infrastrukturelle Basis für das Demonstrationsprojekt stellt die „WallBOX CitySolution“ dar. „Diese günstige und intelligente Ladelösung ist speziell für den großvolumigen Wohnbau gedacht. Wohnbauträger können damit ihre Neubauten und meist auch ihre bestehenden Objekte E-mobilitätsfit machen. Mit dieser Demophase wollen wir die derzeitigen Möglichkeiten ausreizen und unsere Komplettlösung weiterentwickeln“, sagt Gerald Mayrhofer vom E-Mobilitätsteam der LINZ AG.

Die Kundenanforderungen für das private Laden von E-Autos werden anhand gezielter Umfragen und Workshops ermittelt sowie rechtliche Fragen und mögliche Hemmnisse beleuchtet. Es gab bereits eine sehr interessante Umfrage vor der Übergabe der E-Autos, um die Einstellung der Teilnehmer/innen und Nicht-Teilnehmer/innen gegenüber der E-Mobilität einzufangen. Während der Demophase wurden zudem wichtige Erkenntnisse zu den ersten Erfahrungen abgefragt. Mit spannenden Ergebnissen.

In dieser Phase werden die Ergebnisse aller Arbeitspakete gesammelt und dokumentiert, um entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Bereits im Projektverlauf wurden vorläufige Ergebnisse präsentiert und Berichte veröffentlicht. Die Erkenntnisse sollen das Geschäftsmodell für die Ladeinfrastruktur der Zukunft formen und eine Basis für weitere Umsetzungsprojekte bieten. Zudem wird eine Lücke in der Forschung zu Ladeinfrastruktur im großen Wohnbau geschlossen.

„Urcharge“ leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der E-Mobilität am Markt und zur Reduktion von CO2-Emissionen im Verkehr.

TU Wien, Jasmine Ramsebner MSc, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektmanagerin:

„Als Projektleiter und Forschungspartner schätzen wir das ‚Urcharge‘-Projekt aufgrund seiner Ganzheitlichkeit, die im Bereich der Ladeinfrastruktur für den großen Wohnbau im urbanen Gebiet einzigartig ist. Eine Demonstrationsphase von fast einem halben Jahr mit 51 Teilnehmern ist außerordentlich wertvoll bezüglich des realen Ladeverhaltens und für die Verifizierung unserer Forschungsergebnisse im Modell. Diese Erkenntnisse fließen in ein Konzept zum privaten, urbanen Laden, um Komfort, Leistbarkeit und dadurch Akzeptanz der E-Mobilität voranzutreiben und Zero Emission Mobility im Individualverkehr zu erreichen“.

LINZ AG, DI Erich Haider, MBA, Generaldirektor:

„Die LINZ AG bietet bereits sehr erfolgreich Ladelösungen und -produkte für die Bedarfe im öffentlichen Raum, im mehrgeschossigen Wohnbau, für zuhause und für Unternehmen an. Wir sind sehr optimistisch, dass wir mit dem Demonstrationsprojekt entscheidende Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit der E-Mobilität gewinnen werden und einen wichtigen Beitrag hin zu mehr Nachhaltigkeit im Straßenverkehr leisten können. Die LINZ AG unterstreicht damit wie auch mit ihrer modernen Busflotte und dem innovativen Mobilitätsangebot ‚tim‘ einmal mehr ihr Engagement hinsichtlich emissionsfreier Antriebe“.

KEBA AG, Ing. Mag. Gerhard Luftensteiner, Vorstandsvorsitzender:

„Ladestationen müssen vor allem eines sein: komfortabel für den Nutzer, zuverlässig und sicher. Geht es um große Wohnanlagen, wo typischerweise mehrere E-Autos gleichzeitig geladen werden, kommt eine intelligente Lastmanagementlösung zum Einsatz. Sie verteilt die Ladeleistung optimal, sodass die Elektroautos bei gleichzeitig geringer Netz- und Kostenbelastung entsprechend verfügbar sind. Unsere Stromladestation lädt also nicht nur, sondern sie ist eine hochintelligente Kommunikations- und Steuerungszentrale zwischen den Elektroautos und dem dahinterliegenden Stromnetz. KEBA nimmt mit dieser Lösung abermals eine Pionierrolle ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Durchbruch der Elektromobilität“.

NEUE HEIMAT OÖ, Dir. Mag. Robert Oberleitner, Geschäftsführer:

„Das Projekt ‚Urcharge‘ gibt uns die Gelegenheit, einen wesentlichen Beitrag zur Klimawende zu leisten und aktiv daran mitzuarbeiten, die gemeinnützigen Wohnbauträger hinsichtlich dem Bereich E-Mobilität zukunftsfit zu machen. Im Zuge des Projekts werden wir Erfahrung sammeln, die uns dabei hilft, die Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden in der Zukunft zu erfüllen und eine gewohnt hohe Wohnqualität bieten zu können.“

ETA Umweltmanagement GmbH, Manfred Mühlberger, Geschäftsführer:

„Wir befassen uns mit einer detaillierten Analyse der Kundenperspektive durch die Konzeption und Auswertung von Umfragen und Workshops.“

Autohaus Sonnleitner, Max und Mag. Wolfgang Sonnleitner, Geschäftsführer:

„Ein Projekt wie dieses ist für uns die perfekte Umgebung, um die Alltagstauglichkeit unserer Elektrofahrzeuge Renault Zoe und Nissan Leaf unter Beweis zu stellen. Es bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Anwendungsfälle in vergleichbarer Umgebung über einen längeren Zeitraum zu vergleichen. All das auch noch vor der Haustüre machen zu können ist einfach ideal. Wir freuen uns, dabei sein zu können.“

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms "Zero Emission Mobility" durchgeführt.

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